Frau Dr.med. Yolanda Mekler Augenärztin FMH


 
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(aus Zeitlupe 3/2000; www.zeitlupe.ch; mit freundlicher Genehmigung)

Wenn die Augenlinse trübe wird

Dr.med. Yolanda Mekler, Augenärztin FMH, Basel

Beim grauen Star handelt es sich um eine Trübung der Augenlinse. Diese kann kein klares Bild mehr auf der Netzhaut erzeugen. Heute kann man durch das Einsetzen einer Kunstlinse wieder «normal» sehen. Die Operation ist schmerzlos und kann auch in fortgeschrittenem Alter durchgeführt werden.

Käthi auf der Maur (Name geändert) hat es schon längere Zeit gespürt: Die Bilder vor ihren Augen sind ihr manchmal «verschwommen» vorgekommen, «getrübt», wie sie später ihrem Arzt sagt. In der Nacht haben sie die Lichter mehr geblendet als früher, und die gleiche Blendungsempfindlichkeit hat sich in der Wintersonne gezeigt. Der Augenarzt sah seine Vermutung nach der Untersuchung bestätigt – Käthi auf der Maur litt an beiden Augen am grauen Star.


Der Aufbau des menschlichen Auges

 

Beim grauen Star (Katarakt) handelt es sich um eine Trübung der Augenlinse. Diese Linse hat im Auge die gleichen Funktionen wie jene in einem Fotoapparat: Sie soll auf der Netzhaut ein scharfes Bild erzeugen. Durch eine getrübte Linse kann kein klares Bild entstehen. Es sieht dann aus, wie wenn man durch eine milchige Scheibe guckt. Der graue Star macht sich durch eine verminderte Sehschärfe und zum Teil durch eine vermehrte Blendungsempfindlichkeit bemerkbar. Die Linsentrübung erfolgt manchmal schnell, dauert aber meist Jahre. Heute kann man mit einem kleinen chirurgischen Eingriff auch bei fortgeschrittenem Alter den grauen Star operieren.

Der graue Star kann verschiedene Ursachen haben. Die weitaus häufigste ist altersbedingt und hängt mit dem verlangsamten Stoffwechsel zusammen. Rauchen, einseitige Ernährung und Sonneneinstrahlung können die Entwicklung negativ beeinflussen. Selten ist der graue Star von Geburt an vorhanden. Verletzungen des Auges, Entzündungen des Augeninnern oder Diabetes können zu einem vorzeitigen Beginn des grauen Stars führen. Er ist also keine ansteckende Erkrankung, auch kann man ihn nicht durch übermässigen Gebrauch der Augen bekommen.

Schmerzlose Operation
Bei Krankheitsbeginn verändern sich die optischen Eigenschaften des Auges: Verschwommenes Sehen, Blendung mit erhöhter Lichtempfindlichkeit, Verschlechterung des Kontrastsehens oder die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit können auf eine Erkrankung hinweisen. Oft hilft eine andere Brille, oder man kann die Brille sogar weglassen. Gegen die vermehrte Blendungsempfindlichkeit nützt eine Sonnenbrille oder ein breitrandiger Hut. Wenn diese einfachen Massnahmen nichts bringen, muss operiert werden, denn es gibt zur Zeit keine Medikamente, die den grauen Star verhindern.

Die Operation des grauen Stars erfolgt heutzutage meist in Lokalanästhesie mittels Tropfen oder Spritzen. Sie ist schmerzlos und kann auch in fortgeschrittenem Alter durchgeführt werden. Vor der Operation sollte sich der Patient für eine Allgemeinuntersuchung bei seinem Hausarzt melden. Der Augenchirurg wird das Auge vor der Operation genau untersuchen und die Kunstlinse ausmessen, die bei der Operation eingepflanzt wird.

  Linsenimplantation:
Gegen Ende der Operation wird die Kunstlinse hinter die Pupille in die Linsenhülle eingehängt und gegebenenfalls noch nachzentriert. Die Operationsöffnung verschliesst sich automatisch.

Die bei der modernen Staroperation verwendete Technik nennt sich Phakoemulsifikation: Dabei wird die eigene, trübe Linse durch einen drei Millimeter kleinen Einschnitt mittels Ultraschall zerkleinert und abgesaugt; danach kommt eine klare Kunststofflinse in das Auge. Diese Linsen bestehen aus Silikon oder Acryl. Die Operation des grauen Stars verläuft im Normalfall ohne Komplikationen. Wie bei jedem chirurgischen Eingriff kann es aber zu Blutungen oder zu einer Infektion kommen.

Die Öffnung des Augapfels erfolgt durch einen minimalen kleinen Schnitt, seitlich an der Grenze der Hornhaut.
Die hauchdünne Linsenkapsel wird kreisförmig eröffnet  und die trübe Masse entfernt.   Zurück bleibt eine glasklare, leere Linsenkapsel.
Kunstlinse mit feinen Befestigungsbügeln
In die leere Linsenkapsel wird eine kleine Plastiklinse eingespannt.

 

Folgen der Operation
Nach der Operation bekommt der Patient einen geschlossenen Verband, der am Tage darauf entfernt wird. Der Patient kann das Spital meistens bereits am gleichen Tag verlassen. Als Nachbehandlung muss er während eines Monats Augentropfen anwenden. Auto fahren kann der Patient unter Umständen schon am Tage nach der Operation. Er sollte dies aber mit seinem Augenarzt besprechen.

Es kann sein, dass man in den ersten Tagen nach der Operation doppelt sieht. Diese Erscheinung wird sich nach wenigen Tagen von selbst ausgleichen. Im Allgemeinen können die normalen Tätigkeiten des täglichen Lebens mit wenigen Einschränkungen wieder aufgenommen werden. Fernsehen ist sofort nach der Operation möglich; Lesen und Schreiben zu Beginn mit Mass, da die Brille noch nicht angepasst ist. Gartenarbeit, Sauna oder Schwimmen sind in den ersten drei Wochen nach dem Eingriff nicht angezeigt. Eine erhöhte Licht- und Blendungsempfindlichkeit ist normal. Meist hilft das Tragen einer Sonnenbrille. Gelegentliches Kratzen oder ein Fremdkörpergefühl im operierten Auge sind normal und verschwinden mit der Zeit.

Es kann vorkommen, dass sich die Sicht nach einiger Zeit wieder verschlechtert, weil ein Nachstar auftritt. Dieser äussert sich in einer Trübung der hinteren Linsenkapsel (hinter der Kunstlinse). In diesem Fall wird die Nachstar-Membran ambulant mit dem Laser durchschnitten, und der Patient sieht am gleichen Tag wieder gut.

Bildquellen: Dr.med. D.W. Klaas, Friedberg, Dr.med. Y. Mekler, Basel.